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Italia quo vadis?

Wo gehst du hin, Italien?

Wie man sicherlich auch in Deutschland mitbekommen hat, haben wir in Italien so über Nacht einen neuen Premierminister und eine neue Regierung bekommen. Gewählt haben wir diese nicht, aber ebenso wie in Deutschland der Bundeskanzler nicht vom Volk, sondern vom Bundestag gewählt wird, so wird in Italien der Premierminister (eigentlich der Präsident des Ministerrats) vom Bundespräsident ernannt und dann vom Parlament bestätigt.

Italien ist in der Krise, Italien geht es schlecht, die Politik bewegt nichts, die Politiker denken nur an ihre eigenen Interessen…. Diese und andere (Vor)Urteile sind hinlänglich bekannt. Matteo Renzi, bis vor kurzem noch Bürgermeister von Florenz und nun neuer Premier, ist angetreten, um dies, und vor allem, um Italien zu ändern. Er scheint gute Absichten zu haben und ist sicherlich energiegeladen, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Enrico Letta, der nicht viel bewegt hat.

Was mir wirklich Sorgen macht ist, dass man von allen Seiten hört, Renzi wäre unsere letzte Chance. Wenn auch er nicht schafft, woran schon seine Vorgänger gescheitert sind (setzen wir einfach mal gutmütig voraus, dass diese sich tatsächlich bemüht haben), dann…

Ja was, dann? Italien geht unter? Aber wie? Revolution? Volksaufstand? Unruhen? Zerfällt das Land? Steigt es es dem Euro aus? Wird es aus dem Euro rausgeworfen? Staatsbankrott? Werden wir von Angela Merkel übernommen (wie so mancher Italiener hofft)?

Viele, Allen voran Beppe Grillo, predigen den Untergang. Dabei weis keiner, was wirklich kommen wird. Die Frage bleibt offen: quo vadis, Italien?

The Boxer

Das erhoffte K.O. gab es nun ja doch nicht, im grossen Kampf am Dienstag. Aber der Kämpfer taumelt, er ist ganz eindeutig angezählt. Mal schauen, wie die nächsten Runden ausgehen.

Heute steht ja schon die Nächste an: Eine parlamentarische Kommission soll über den Ausschluss des Kämpfers aus dem Senat entscheiden (aufgrund der Verurteilung wegen Steuerhinterzugs), hat sich aber bisher erfolgreich um eine Entscheidung gedrückt. Allerdings haben sich seit Dienstag die Gewichte verschoben, man darf also gespannt sein.

„In the clearing stands a boxer and a fighter by his trade“ (Simon and Garfunkel – The Boxer, 1969 (Single, Album: Bridge over Troubled Water, 1970)

Im Würgegriff des Ritters

Eigentlich war der Ex-Premierminister schon längst abgeschrieben und politisch erledigt, als es die Linke doch noch geschafft hat, den Wahlkampf zu versauen und auch noch die Wahlen fast zu verlieren. Zum Glück allerdings nur fast. Es kam jedenfalls zu einem politischen Patt, Mitte-Links und Mitte-Rechts gingen unter der bildenden Hand des Staatspräsidenten eine grosse Koalition ein, der Ritter verzichtete grossmütig im Interesse und Wohl des Volkes auf ein Regierungsamt, um die grosse Koalition tatsächlich zu ermöglichen. Hin und Wieder tauchte er in den Nachrichten auf, wenn er wiederholt damit drohte, die Regierung platzen zu lassen, sollte die Immobiliensteuer IMU nicht abgeschafft werden. Das war eines der groβen Wahlversprechen des Ritters; er versprach sogar, sollte er gewinnen, die schon bezahlte IMU zurückzuerstatten. Mit welchem Geld des hochverschuldeten Staates er dies erreichen wollte, erklärte er freilich nicht.

Kurz und Gut, das Land hatte eine Regierung, die so vor sich hinwurschtelte, hin und wieder stritt (meist hatte es mit dem Ritter zu tun), aber im Grossen und Ganzen hatte das Land schon turbulentere Zeiten erlebt.

Dann aber wurde, zum ersten Mal, geschichtsverdächtig, der Ritter rechtskräftig verurteilt, für vier Jahre. Und politische Ämter sollte er für ganze fünf Jahre nicht mehr ausüben sollen! Skandal! Er sei doch unschuldig!

Seitdem ist es mit der Ruhe vorbei, der Ritter beherrscht wieder alle Nachrichten zu jeder Tag- und Nachtzeit. Mal droht er unverholen, die Regierung platzen zu lassen, sollte er nicht irgendwie um die Strafe herumkommen, mal will er den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straβburg anrufen, mal will er um Gnade beim Staatspräsidenten bitten (was allerdings ein Eingeständnis seiner Schuld wäre), mal will er zuruecktreten. Das ändert sich alle fuenf Minuten, jeder seiner Politiker, die seitdem das öffentliche und private Fernsehen in Beschlag genommen haben gibt eine andere Drohkulisse zum Besten. Nur in einem sind sie sich einig: Der Ritter ist unschuldig!

Ergebnis: Der Ritter erpresst praktisch Staat und Regierung, wieder einmal hängt das Schicksal des Landes vom Schicksal einer einzigen Person ab, der Person, die das Land seit 20 Jahren im Atem hält. Ich hoffe (entgegen aller politischen Vernunft), dass der Ritter tatsächlich die Regierung platzen lässt, und somit endlich ganz offen zu gibt, dass er nur aus persönlichen (wirtschaftlichen) Gründen in die Politik gegangen ist, diese 20 Jahre lang nur im eigenen Interesse betrieben hat und ihn Land und Volk gar nicht interessieren. Danach kann ihn eigentlich Keiner mehr wählen wollen.

Wobei, leider Gottes bin ich mir da gar nicht so sicher.